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Die feurigen Rosen zu Lügde

Am Fuße des Kirchberges bei Lügde wuchsen einmal drei feurige Rosen aus der Erde, blühten eine Stunde lang und verschwanden dann wieder So auch in der zweiten und dritten Nacht und immer. Die Leute in Lügde aber sahen die feurigen Blumen und fürchteten sich vor ihnen wie vor Gespenstern. Als sie aber jede Nacht die feurigen Blüthen sahen, da wurden sie endlich dreister und einmal faßten sie sich ein Herz und gruben wo in der Nacht die Rosen geleuchtet am Morgen unter Gebeten und frommen Sprüchen nach. Da fanden sie darunter in einiger Tiefe ein altes steinernes Muttergottesbild. Die Leute aber waren klug und verstanden sich auf Wunder und Zeichen und bauten an derselben Stelle eine Kirche und stellten das Steinbild in eine Nische der äußeren Mauer. Lange hat es dort gestanden bis es vor ungefähr hundert Jahren auf einmal verschwunden war. Da nahmen sie einen Sanct Kilian der als Stadtpatron über dem Thore von Lügde stand und stellten ihn in eine Mauernische an die Stelle des Muttergottesbildes. Dort steht er heute noch und hält mit Stab und Bischofshut ernste schweigsame Wacht über die Kirche. Zum Andenken an das verlorene Bild aber ward ein anderes dem ersten völlig gleich aus Holz geschnitzt und im Chor der Kirche an einer eisernen Kette ausgehängt wo es noch jetzt zu sehen ist.

Quelle: Sagenbuch des Preussischen Staats, Band 1 Von Johann Georg Theodor Grässe 1886

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Baum-Luegde-1Das verwünschte Kirchlein bei Lügde Quelle: Sagenbuch des Preussischen Staats, Band 1 Von Johann Georg Theodor Grässe 1886

Der Kirchberg bei Lügde ist nächst der Hermannsburg bei Pyrmont die ansehnlichste Höhe im ganzen Thale. Jetzt ist der Berg mit Fruchtgärten und Getreidefeldern bedeckt, aber vor Zeiten war es nicht so da standen hier hohe Buchen und Ulmen und es gab aus dem ganzen Berge keine einzige baumfreie Stelle. Mitten aber im Walde wohnte der sogenannte Bergförster ein noch junger stattlicher Mann, der aber in der ganzen Gegend als wohlhabend bekannt war. Gleichwohl hatte er kein Glück bei den Frauenzimmern, es war ihm noch nicht gelungen für sein Haus eine fleißige Wirtin zu finden. Wo er hinkam fand er die Mädchen bereits mit Liebhabern versehen und sein Reichtum vermochte keine zu locken. Namentlich hatte er sein Auge auf ein frisches munteres Bauerndirnlein Elsbeth genannt, die unten im Thale wohnte geworfen aber diese wollte ebenso wenig von seinen Liebesanträgen etwas wissen, als alle die andern Mädchen im Dorfe und wenn er am Abend den Berghang hinab nach ihrem Hüttchen schlich da fand er Türe und Läden für sich verschlossen und am andern Tage mußte er hören, daß der oder jener Bauernbursche unterdessen bei dem Mädchen gewesen war. Gleichwohl nahm deshalb seine Neigung zu der schönen Elsbeth mehr zu als ab und das Verlangen sie zu besitzen ließ ihm weder Tag noch Nacht Ruhe. Da fiel ihm ein er wolle seine Zuflucht zu einer klugen Frau nehmen, die in der Schlucht wo es heute zur Hölle heißt wohnte und von der die Leute sagten sie wisse mehr wie andere Leute und verstehe Liebestränke zu brauen und Mancher habe sich schon bei ihr Rath und Hilse geholt. Und wie sehr es ihn auch eigentlich vor der Alten graute er faßte sich Muth und stieg hinab zu Baum-Luegde-9aihr. Er fand die Alte am Spinnrocken in ihrer Hütte sitzen sie rief ihm zu Jch weiß schon was Jhr wollt wäret Jhr eher gekommen so könntet ihr schon lange in der schönen Elsbeth Armen ruhen. Jch will Euch auch recht gern helfen denn ich kenne alle die Kräuter und Wurzeln die man zu einem Zauber tränklein braucht. Aber eins müßt ihr selber herbeischaffen und das ist es was dasselbe am Meisten kräftigt. Zehn Tropfen geweihten Weins wie der Priester ihn bewahrt am Altare muß ich haben, wenn meine Arbeit etwas nützen soll. Kommt ihr, wenn wieder der Vollmond glänzt und bringt ihr mir den Wein den ihr selbst aus der Kirche holtet, so ist in wenigen Tagen das Mädchen Euer. Nur hütet Euch daß ihr Euch mit dem Kelche in der Hand etwa umschaut, denn da wäre es um Euch geschehen. Damit schob sie ihn zu ihrer Hütte hinaus. Nun stand aber oben auf dem Gipfel des Berges ein uraltes Bergkirchlein zu welchem im Frühjahr immer eine große Wallfahrt aus der Umgegend stattfand und wo dann ein Hochamt gehalten wurde. Zu dieser Kirche hatte aber der Förster die übrige Zeit des Jahres hindurch den Schlüssel in Verwahrung. Lange kämpfte der Förster mit sich ob er den gottlosen Raub wagen sollte, immer hoffte er das Mädchen noch aus andere Weise gewinnen zu können und so verging der Sommer. Als aber der Spätherbst kam und die Blätter fielen und der Förster immer die Elsbeth noch nicht errungen, hatte da beschloß er die Tat zu wagen. Und als der Vollmond wieder ausging, da litt es ihn nicht länger in seinen vier Wänden er nahm den Schlüssel hing die Büchse über die Schulter und trat in die Nacht hinaus. Schwarzes Gewölk jagte der Sturm über den Himmel und die Eulen wurden im Walde wach und riefen ihren Unglücksruf, als wollten sie ihn warnen aber er ließ sich nicht abhalten und schon sah er das Kirchlein nahe über sich unten aber tief in der Schlucht erglänzte Feuer und als er hinabsah da sah er die Alte an einem großen Kessel sitzen, gerade als hätte sie ihn an diesem Tage Baum-Luegde-28aerwartet. Da sprang er muthig die letzten Stufen nach dem Kirchlein hinaus steckte den Schlüssel ins Schloß die alte Psorte öffnete sich, er trat ein in den von dem Vollmond erleuchteten Raum und schritt nach dem Altare. Mit zitternder Hand griff er nach dem heiligen Schreine der das Blut des Herrn in sich schloß und morsch und alt wie es war zerbrach das Kastlein von der stürmischen Berührung. Aber auch diese letzte Warnung rührte ihn nicht, er griff nach dem heiligen Naß zählte und tröpfelte dasselbe in seinen Becher hinein da kam tiefes angstvolles Seufzen aus des Berges Grunde heraus so schwer und grauenhaft, daß sich der Förster unbedacht umsah und dabei den Kelch fallen ließ der schrillend am Boden hinrollte. Da fuhr es eisigkalt wie der Tod über ihn sein Athem stockte sein Blut geronn in den Adern sein Herz stand still er ward zu Stein. Als aber die Leute am nächsten Mai wieder in das Betkirchlein kamen und sahen was vorgegangen war, denn hier hätte den verschwundenen Förster Niemand gesucht, da meinten sie das Steinbild am Altare mit den verzerrten Zügen müsse wohl ein böser Geist sein und hielten das Kirchlein für verwünscht. Nachher wallfahrte Niemand mehr zu dem Berge und die Kirche verwitterte und sank nach und nach in Trümmer die man aus dem Berge der nach ihr der Kirchberg hieß noch zu Anfang dieses Jahrhunderts sehen konnte.

 

 

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Die Ampel auf dem Kirchhofe zu Lügde

Einst vor fielen hundert Jahren hat sich ein Rittersmann in dem großen Wald verirrt der damals Lügde einschloß. Er kannte weder Weg noch Steg und er und sein Roß hatten bereits so lange gehungert und gedurstet, daß sie sich kaum noch fortschleppen konnten vom Reiten war überhaupt keine Rede der Ritter zog das Roß am Zügel nach sich. Da ergriff ihn Verzweiflung denn er hatte schon alle Hoffnung aufgegeben aus dem dichten Wald herauszukommen und ein Obdach zu erreichen. Siehe da glänzte plötzlich in weiter Ferne durch die dichten Bäume ein Licht auf und freudig athmete der Verlassene auf, denn wo ein Licht war da mußten auch Menschen sein. Und er sprach seinem Rößlein Muth ein und wie wenn dasselbe seine Worte verstände wieherte es ihm fröhlich entgegen und raffte sich auf und so zogen beide mit einander dem Lichte nach. Freilich hatten sie einen langen Weg bis dahin zu durchwandeln, allein endlich erreichten sie es doch, es war ein Feuer, welches die Todtengräber auf dem Kirchhofe zu Lügde zur Zeit der furchtbaren Pest, welche man den schwarzen Tod nannte angezündet hatten. Als aber dasselbe erlosch gerade als der Ritter es erreicht hatte da fiel er auf seine Kniee und dankte dem Herrn, daß er ihn aus Lebensgefahr gerettet hatte und that ein Gelübde eine Stiftung zu mache, daß jede Nacht hier eine Leuchte angezündet werden solle, welche verlassenen Wanderern den Weg hierher zeigen solle. So ist es auch geschehen und noch heute brennt die Ampel erhalten von der frommen Spende der Ritters und anderer Gläubigen.

Quelle: Sagenbuch des Preussischen Staats, Band 1 Von Johann Georg Theodor Grässe 1886

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