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Lippischer Pickert Menschen Geschichte Kultur Lippe © TwilightArtPictures - Fotolia.com

Text: Martina Berg - Fotos bei PhotoLokal.de

Das lippische Nationalgericht: der Pickert

 

Der Pickert ist eine einfache, aber sehr leckere Spezialität aus dem Lipperland. Hier wird das frühere „Arme-Leute-Essen“ aus den Grundzutaten Kartoffeln, Hefe und Milch mittlerweile als typisch lippisches „Nationalgericht“ geschätzt.

 

Der Pickert war ein typisches „Arme-Leute-Essen“, denn die meisten Zutaten wuchsen auf den eigenen Feldern. Er war daher billig und zugleich auch sehr nahrhaft. Gerade die ländliche Bevölkerung des damaligen Fürstentums Lippe (dies entsprach nahezu dem heutigen Kreis Lippe im östlichen Nordrhein-Westfalen) verpflegte sich noch bis in die 1930er Jahre hinein nur von dem, was sie auf dem eigenen oder gepachteten Acker anbaute. Und das waren meist Kartoffeln!

Not macht ja erwiesenermaßen erfinderisch und so kreierten die lippischen Hausfrauen zahlreiche Kartoffelrezepte. Diese teilweise sehr leckeren Rezepte gerieten nach dem zweiten Weltkrieg häufig in Vergessenheit, werden aber jetzt wiederentdeckt. Der Pickert war und ist eines der einfachsten Gerichte und blieb daher wohl zumindest im Lippischen immer „in aller Munde“.

Man brauchte nicht einmal eine Pfanne, denn der Pickert wurde früher direkt auf der blanken Herdplatte des Küchenherdes gebacken. Dazu wurde die Herdplatte natürlich blank geputzt und dann mit einem Stück Speckschwarte gründlich eingefettet. Nun wurde der Teig in einer etwa 4 cm dicken Schicht auf der Herdplatte verteilt und beidseitig goldbraun gebacken. Nur weil die Herde damals lediglich mit Holz oder Torf befeuert wurden (Kohle war einfach zu teuer), war dies möglich. Ein Kohlefeuer hätte den Geschmack des Pickerts unangenehm beeinträchtigt.

Der fertige Pickert wurde dann in Streifen und kleinere Stücke geschnitten. Diese Stückchen schnitt man dann in der Mitte flach auf und schmierte gute Butter aus eigener Herstellung hinein. Alternativ nahm man auch gern geräucherte lippische Leberwurst – meist vom eigenen Schwein. Beides – Butter und Leberwurst – schmolz auf dem noch warmen Pickert und schmeckte dadurch besonders gut.

Noch heute produziert die Landschlachterei Pieper aus Lage in Lippe nach alten Hausrezepten die original lippische Leberwurst. Die schmeckt noch immer wie hausgemacht und ist die ideale Zutat zu einem lippischen Pickert.

Wer es lieber süß mochte, der bestrich seinen Pickert statt mit Butter oder Leberwurst mit Rübenkraut – natürlich auch selbstgemacht.

Doch hier nun endlich das Rezept für etwa 10 Ur-Pickert:

500 g Kartoffeln

500 g Mehl

35 g frische Hefe (oder ein Päckchen Trockenhefe)

5 Eier

1 Teelöffel Salz

wenig Zucker (nur zum Abschmecken)

Die rohen Kartoffel schälen und anschließend mit einer Küchenreibe oder einer Küchenmaschine klein reiben. Echte Lipper schwören auf die Handmethode. Meine Oma hat immer behauptet, die kleinen Bluttropfen von den Fingern, die beim Reiben auch des kleinsten Kartoffelrests manchmal in den Teig tropften, gäben einen besonderen Geschmack!

Den „Kartoffel-Pamp“ zusammen mit den Eiern verrühren. Dabei geben Sie auch langsam das Mehl hinzu. Und immer schön weiter rühren. Nehmen Sie unbedingt einen große Schüssel – der Teig verdoppelt noch sein Volumen!

Lösen Sie die Hefe in 100 bis 150 ml Wasser auf und geben Sie diese dann zusammen mit dem Salz in die Kartoffelmasse. Nochmals alles gründlich verrühren und dann mit einem Handtuch zudecken und etwa 90 Minuten lang gehen lassen.

Nun können Sie den Teig in einer nicht zu großen Pfanne (optimal sind 20 Zentimeter Durchmesser“ bei mittlerer Hitze mit etwas Öl goldbraun backen. Am besten gelingt der Pickert übrigens mit aufgesetztem Deckel. Wenn der Teig etwas angestockt und die Ränder leicht gebräunt sind, kann man ihn umdrehen und von der anderen Seite auch noch goldbraun backen.

Der sogenannte „Neureichenpickert“, den man heute auch im Lipperland meist bekommt, wenn man im Restaurant oder Café Pickert bestellt, unterscheidet sich von dem „Ur-Pickert“ durch die Zugabe von Rosinen. Wer das denn lieber mag, kann das obige Rezept noch um Rosinen (Menge nach Geschmack) ergänzen und auch gern mehr Zucker verwenden.

„Neureichenpickert“ deshalb, weil die lippischen Bauern meist kein Geld für teure Rosinen hatten oder einfach zu sparsam waren, um dafür Geld auszugeben. Nicht umsonst wird den Lippern ja nachgesagt, sie kämen ursprünglich aus Schottland. Dort wurden sie aber vor Generationen ausgewiesen, weil sie selbst den Schotten zu geizig waren. (Ich darf solche Witze übrigens unbehelligt erzählen – schließlich bin ich eine waschechte Lipperin).

Pickert schmeckt übrigens auch mit Marmelade, Nutella, Honig oder auch mit Streichkäse. Pickertreste kann man ebenfalls noch am nächsten Tag gut weiterverwenden: einfach mit Schinken oder Speck belegen und mit geriebenen Käse überbacken – echt lecker und ein typisch lippisches und sparsames Resteessen.


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